Burgkapelle Reichenstein
4230 Tragwein
Einrichtung und Ausschmückung
Vom Hochmittelalter bis in das 19. Jahrhundert
Das Ensemble der sakralen Objekte in der Burgkapelle zu Reichenstein wird von einer Reihe von Darstellungen gebildet, die gemäß ihrer Entstehung einen Zeitraum vom Hochmittelalter bis in das 19. Jahrhundert umspannen.
Manche der Objekte sind an hand der Geschichte von Schlosses und Kapelle nachvollziehbar, anderes scheint ohne ikonografisches Konzept in den Sakralraum gelangt zu sein.
Die nahezu 800 Jahre umfassenden Sakral- und Sepulchralobjekte zeugen von der Verwendung der Marienkapelle durch die Jahrhunderte als Kirche für die Gläubigen in und um Reichenstein.
Erste Erwähnung der Reichensteiner als Erbauer und Besitzer der Burg um 1230
Burgkapelle – um 1430 als Marienkapelle bestiftet – das heißt mit einer Stiftung, in der Regel mit einem Messstipendium, ausgestattet.
Glasfenster Darstellung Hl. Vinzenz von Saragossa ( um 304 als Märtyrer gestorben), Spätromanisches Glasfenster aus der Zeit um 1230
Ältestes, in situ erhaltenes, farbiges Glasfenster des Mühlviertels, wohl dem ersten Bau der Burg Reichenstein um 1230 zuzuordnen, (im Obergeschoß rechts)
Schlussstein im Gewölbe der Apsis: Büste eines Bischofs, spätromanisch um 1230, der Bausubstanz des 1.Kapellenbaues zuzuordnen,
Grabdenkmal des Ritters Christoph Haim von Reichenstein, ermordet 1571, Renaissance, Marmor, errichtet nach 1571, überlebensgroße Statue des Ritters dargestellt im Prunkharnisch Zu beiden Seiten des Grabmales Stelen mit kriegerischen Reliefdarstellungen
Altar der Burgkapelle, Holz und Stuckmarmor, Rokoko um 1760/70, Altarbild Maria Wachspossierung in einem Glasschrein, im Altaraufsatz Darstellung eines Bischofs, umgeben von Puttis. Das Altarbild wird von zwei weiblichen Heiligen aus Stuckmarmor, der hl. Elisabeth und der hl. Anna, flankiert
Tabernakel . Holz gefasst und vergoldet , Klassizismus , im Gehäuse mit 1804 datiert, geschmückt mit vier Puttis und zwei Engel,
Plastik Hl Rochus, Darstellung als Pilger mit Hut, Tasche und Stab, hochbarock um 1680/90
Plastik Hl. Sebastian , Darstellung als Märtyrer, an einen Baum gefesselt und von Pfeilen durchbohrt, hochbarock , um 1700
Die Heiligen Rochus und Sebastian wurden als Schutzpatrone gegen die Pest angerufen. Ihre Einbringung in die Burgkapelle könnte mit der letzten, großen Pestepidemie im Jahre 1683 zusammen hängen.
Plastik Pieta Darstellung Maria mit dem Leichnam Christi auf dem Schoß, spätbarock, um 1760/70
Plastik Hl Josef mit dem Jesuskind, spätbarock, um 1770
Plastik Hl. Johannes von Nepomuk, spätbarock, um 1770
Chorbrüstung mit spätbarockem Vorwerk einer nicht mehr erhaltenen Orgel, letztes 4. des 18. Jahrhunderts. Das Vorwerk flankieren zwei barocke Engel aus der Zeit um 1770/80
Chorbrüstung auf dem 1.Chor, gefasste und bemalte Holztafeln, provinzielle Darstellung der heiligen Cäcilia mit der Orgel, assistiert von Musikinstrumenten wie Geige, Bratsche, Oboe, Klarinette und Schwegelpfeife, datiert 1805
Der Tabernakel und die Chorbrüstung sind Teil der letzten Ausgestaltung der Burgkapelle aus der Zeit von 1803 bis 1805
Der Epitaph des Christoph Haym gehört zu den bedeutendsten Werken der Steinmetzkunst der Renaissance in OÖ. In den Reliefobelisken werden zwei seiner Schlachten dargestellt, bei denen er jeweils vom Pferd fiel und überlebte. Weiters sind auch seine Frau Appolonia und seine Kinder dargestellt.
1567 erwarb der steirische Ritter Christoph Haym die Burg Reichenstein. Er und sein Sohn Hanns bauten sie zu einem prächtigen Renaissanceschloss um, dessen Festsäle mit prunkvollen Wandmalereien ausgestattet wurden. Hierzu wurden den evangelischen Untertanen so hohe Abgaben abgepresst, dass es zur Ermordung des verhassten katholischen Christoph Hayms im Jahre 1571 führte.
Darauf geht auch die folgende Sage zurück:
Nach seinen Kriegsfahrten begann Haym die alte, kleine Burg zu einem prächtigen Renaissanceschloss umzubauen. Die Grundsteinlegung wurde mit großer Feierlichkeit begangen. Tags darauf vermisste der Bauer Gaisrucker sein einziges Kind, ein zweijähriges Knäblein. Da alles Suchen nach ihm erfolglos blieb, ließ sich der Vater von dem Wahne hinreißen, der Ritter habe das Kind in der Burg lebendig einmauern lassen, um diese nach damaligem Aberglauben unüberwindlich zu machen. Gaisrucker sann daher auf blutige Rache. Als Haym am 6.Juni 1571 vom Zwieselmaierhof heimritt, lauerte ihm der Bauer am Hofberg (heute Gmeinerberg) auf und erschoss ihn aus dem Hinterhalt. Als Mörder beschuldigte man fälschlicherweise den immer schon gegen den Herrn gewesenen Reitknecht.
Wie unbegründet aber Gaisruckers Verdacht war, erwies sich bald. Beim Kornschneiden fand man nämlich die Überreste des Kindes, das wahrscheinlich von einem Raubtier angefallen worden war. Gaisrucker, auf dessen Ergreifung – ob tot oder lebendig - ein Kopfpreis wegen Anstiftung zur Rebellion gegen die Herrschaft ausgesetzt war, musste sich vor den Häschern versteckt halten. Er siechte aber, von Gewissensbissen geplagt, langsam dahin, und kurz vor seinem Tod gestand er den Mord. Der unschuldige Reitknecht wurde daraufhin von der Haft befreit und durch eine größere Summe Geld entschädigt.
Am Weg nach Gmeinerhof, an der Stelle, wo Haym ermordet wurde, erinnert heute ein Materl. (Gehzeit ca. 15. Min)
4230 Tragwein
Telefon +43 7236 31400
E-Mail office@burg-reichenstein.at
Web www.burg-reichenstein.at/
https://www.burg-reichenstein.at/
- immer geöffnet (24/7)
- frei zugänglich
28 min (30,0 km) über A7 und Königswiesener Str./B124
- Eintritt frei
- Für Gruppen geeignet
- Für Senioren geeignet
- Für Alleinreisende geeignet
- Zu zweit geeignet
- Frühling
- Sommer
- Herbst
- Winter
Für Informationen beim Kontakt anfragen.
Änderungen vorschlagen
Ist dir etwas aufgefallen? Teile uns bitte mit, wenn Informationen auf dieser Seite nicht stimmen oder ergänzt werden sollten (z. B. Öffnungszeiten, Kontaktdaten etc.).
Danke für deine Unterstützung - das hilft uns sehr!
Felder mit * sind Pflichtfelder